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50 Jahre Mercedes-Benz Unfallforschung

Realitt als Mastab: Bereits seit 50 Jahren untersuchen Mercedes-Benz Experten schwere Unflle, an denen aktuelle Fahrzeuge mit dem Stern beteiligt sind. Die Erkenntnisse der Mercedes-Benz Unfallforschung (UFO) flieen in die Verbesserung und die Konstruktion modellgepflegter und neuer Modelle ein.

1969 beginnt Mercedes-Benz mit der gezielten Unfallforschung. Dabei werden reale Unflle analysiert und rekonstruiert, um weitere Erkenntnisse fr die Sicherheitsentwicklung zu gewinnen. Foto aus den 1990er-Jahren mit einem T-Modell der Baureihe 124 als Einsatzfahrzeug.
In 1969, Mercedes-Benz begins targeted accident research. Here real accidents are analysed and reconstructed in order to gain further findings for safety development. Photo from the 1990s with an estate of the 124 model series as an emergency vehicle.

Im September erst hat Mercedes-Benz ein Jubilum auf dem Gebiet der Sicherheit gefeiert: 60 Jahre Crashtests. Am 10. September 1959 fand der erste Crashtest in der Geschichte der Marke statt. Ein Versuchswagen prallte frontal gegen ein festes Hindernis. Eine neue ra fr die Sicherheitsforschung: Denn seitdem lsst sich das Verhalten von Fahrzeugen und Insassen bei Autounfllen anhand der Testwagen und Versuchspuppen genauer untersuchen. Crashtests sind der Realitt nachempfunden. Direkt mit der Unfallwirklichkeit beschftigt sich die UFO, die ebenfalls in diesem Jahr einen runden Geburtstag hat.

1969 gegrndet, ist die Mercedes-Benz Unfallforschung eine der ltesten derartigen Abteilungen der weltweiten Automobilindustrie. Seitdem haben die Mitarbeiter insgesamt mehr als 4.700 Verkehrsunflle untersucht und rekonstruiert. Der ganzheitliche Ansatz der Mercedes-Benz Sicherheitsentwicklung verfolgt zwei Ziele, nmlich Unflle zu vermeiden und Unfallfolgen zu mindern, betont Professor Rodolfo Schneburg, Mercedes-Benz Centerleiter Fahrzeugsicherheit, Betriebsfestigkeit und Korrosionsschutz. Unsere Sicherheitsphilosophie lautet Real Life Safety. Das reale Unfallgeschehen ist fr uns daher neben Simulationen und Crashversuchen ein wichtiger Aspekt. Entscheidende Erkenntnisse aus der Unfallpraxis liefert unsere Unfallforschung.

Systematische Rekonstruktion von Kollisionen

Seit 50 Jahren untersucht die Mercedes-Benz Unfallforschung systematisch Unflle. Dank der Kooperation mit dem Innenministerium des Landes Baden-Wrttemberg meldet sich die Polizei, wenn sich im Umkreis von rund 200 Kilometern um Sindelfingen bei Stuttgart ein schwerer Unfall mit Beteiligung eines aktuellen Modells von Mercedes-Benz oder smart ereignet hat. Die Arbeit der Forscher beginnt meist am Unfallfahrzeug in der Werkstatt, in die es gebracht wurde. Im nchsten Schritt wird der Unfallort besucht, um den Unfallhergang auch bei Alleinunfllen zu rekonstruieren. Wenn alle Informationen vorliegen, erfolgt die systematische Rekonstruktion der Kollision. Die Ergebnisse werden schlielich mit den Daten anderer Unflle verglichen, sodass die Automobilingenieure im Laufe der Zeit ein genaues Bild ber typische Schadensmuster bekommen und Erkenntnisse fr die Entwicklung neuer, noch wirksamerer Schutzsysteme gewinnen. Um ihre Neutralitt als Forscher nicht zu gefhrden, erstellen die UFO-Experten grundstzlich keine Gutachten fr Unfallbeteiligte oder als Sachverstndige fr die Justiz.

Von der akribischen Detektivarbeit und den gewonnenen Erkenntnissen profitieren alle Verkehrsteilnehmer: Zahlreiche Mercedes-Benz Sicherheitsinnovationen wie der Windowbag oder PRE-SAFE wurden auf Grundlage der UFO-Erkenntnisse aus der Unfallpraxis entwickelt. Die Ergebnisse dienen ebenso als Basis zur Entwicklung praxisgerechter Prfverfahren und Normen. Dazu zhlt beispielsweise der erstmals 1973 durchgefhrte Offset-Crashtest. Er beruht auf der Erkenntnis, dass bei rund drei Viertel aller Frontalkollisionen die Autos nur mit einseitiger, also nicht vollstndiger berdeckung der Fahrzeugfronten zusammenprallen. Der 55-km/h-Frontal-Crashtest mit 40-prozentiger berdeckung gegen die starre Barriere gehrte lange Zeit zu den hrtesten Prfbedingungen fr die Karosseriestruktur nicht nur eines Mercedes-Benz Pkw. Die starre Barriere wurde abgelst von einer deformierbaren. Denn die Unfallforschung hatte gezeigt, dass eine solche Barriere sowie eine nach oben angepasste Testgeschwindigkeit das reale Unfallgeschehen noch besser abbilden.

Mit Kollegen in Indien und China ist die Mercedes-Benz Unfallforschung seit einigen Jahren auch international aufgestellt. Die fernstlichen Unfallforscher profitieren von der Expertise aus Sindelfingen. Mit Hilfe von AR-Brillen1 knnen sie sich direkt und in Echtzeit mit den Kollegen austauschen und so eine gemeinsame Analyse durchfhren, obwohl die deutschen UFO-Experten nicht vor Ort sind.

Seit 1972 untersucht auch die Nutzfahrzeug-Unfallforschung bei Daimler deutschlandweit Unflle von Mercedes-Benz Lkw, um daraus Manahmen fr die Aktive und Passive Sicherheit abzuleiten. Dokumentiert werden grundstzlich alle Informationen zum Unfallhergang, zu den beteiligten Fahrzeugen und zu den Schden. Ebenso suchen die Unfallforscher nach Aufflligkeiten etwa in Bezug auf die Hufigkeit von Unfallarten, die Erkennbarkeit bestimmter Ablaufmuster oder die Verletzungen der Unfallbeteiligten. Auf Basis dieser Analyse leiten die Unfallforscher nderungsmanahmen ab, die in zuknftige Mercedes-Benz Anforderungen mnden. So entstand vor einigen Jahren die Idee zum Abbiege-Assistenten, der bei Mercedes-Benz ab Werk fr viele Lkw-Modelle auf dem Markt erhltlich ist.

Forschungen mit Fokus auf den Transportern gibt es ebenfalls schon seit den 70er-Jahren. Die verschiedenen Bereiche waren zunchst jedoch anderen Sparten zugeordnet. Seit Sommer 2015 hat auch Mercedes-Benz Vans eine eigene Unfallforschung. Vom Hauptquartier im Werk Untertrkheim aus untersuchen die Ingenieure ausgewhlte Unflle, in die Transporter von Mercedes-Benz verwickelt waren.