Fast mannshoch verläuft die Oberkante der Motorhaube des berühmten Rekordwagens von 1913, dem Fiat S.76. Unter der Motorhaube schlummerte für fast 90 Jahre ein 28,5 Liter Vierzylindermotor, dessen Kolben fast so groß wie ein Kochtopf sind.
Der Engländer Duncan Pittaway hatte nach jahrelanger Restauration einen der beiden gebauten Fiat S.76 reanimiert und alles in einer Videodokumentation festgehalten. 2015 soll das „Biest“ in Goodwood erstmals wieder fahrend zu sehen sein. Zwar präsentierte Pittaway den Fiat S.76 bereits in diesem Jahr in Goodwood, da war er aber noch nicht fahrbereit.
Fiat baute den S.76 um 1913 um einen Weltrekord aufzustellen. Die Automobilhersteller wollten den Geschwindigkeitsrekord des Blitzen Benz und wollten die damals magische „Hürde“ von 228,1 Km/h übertreffen. Die Idee von Leistungssteigerung hieß damals immer den Hubraum zu erhöhen. 7,1 Liter pro Brennraum war die angestrebte Lösung von Fiat. Eine Kurbelwelle in der Stärke eines Unterarms musste dem Drehmoment eines modernen Supersportwagens standhalten. 16 Ventile und eine obenliegende Nockenwelle waren für die damalige Zeit sehr innovativ. Dieser Motor leistete am Ende beachtliche 300 PS und brachte das „Biest“ auf 290 km/h. Damit stellte Fiat mit Rennfahrer Arthur Durray in Ostende, Belgien, eigentlich den Weltrekord auf. Da aber dieser Rekord, wie in den Weltrekord Statuten vorgegeben, nicht innerhalb einer Stunde zum zweiten Mal wiederholt werden konnte, wurde er nicht anerkannt.
Es wurde still um die beiden Fiat S.76 Rekordwagen. Das eine Fahrzeug wurde bei Fiat zerlegt. Das zweite Fahrzeug ging über Russland nach Australien, wo es noch bis in die 20er Jahre mit einem Stutz Motor bei Rennen eingesetzt wurde.
Duncan Pittaway hatte bereits das Fahrwerk des in Italien verbliebenen Fahrzeugs und konnte 2003 den zweiten Fiat in Australien erwerben. Aus beiden Fahrzeugen gelang es ihm in der Restauration ein funktionsfähiges Fahrzeug aufzubauen. Der Fotograf und Filmer Stefan Marjoram durfte diese Restauration bis ins Detail begleiten und es entstanden beindruckende Bilder. Einen kleinen Einblick gewährt die Internet Seite von Stefan Marjoram http://stefanmarjoram.com/fiat-s76#/id/i8909147.
