Der Techniktag der FSVA, der Fédération Suisse des Véhicules Anciens ist traditionell der erste Oldtimer-Anlass in der Schweiz.
TEXT: Ruedi Müller
Dazu sind die Inspektoren der Clubs eingeladen, die einem der beiden Schweizer Dachverbänden, FSVA und SwissOldtimers angehören. Inspektoren werden die Spezialisten genannt, die innerhalb eines Clubs für die Prüfung der Fahrzeuge und Kontrolle der Anträge für die FIVA Identity Card zuständig sind. Dieser Ausweis definiert ein historisches Vehikel nach Klassen. Der FIVA ID Karte liegt der sogenannte „Technical Code“ zugrunde. Die aktuelle Version ist der „Technical Code 2010“. In den letzten Jahren wurde dieser Code von der multinationalen FIVA Technical Commission, 20 Mitglieder aus 11 Ländern, umfassend überarbeitet und liegt jetzt als „Technical Code 2015“ vor. 2015 bleibt jedoch der Code 2010 relevant, da noch Hilfsmittel für zB. die Inspektoren erarbeitet werden, Hard- und Software für den Druck der neuen FIVA ID Karte beschafft werden müssen etc. Dies alles wird voraussichtlich an der FIVA Generalversammlung im Herbst 2015 in Krakau bereit sein.
Der FSVA Techniktag fand 2015 am 10. Januar im Martinhaus der Berufsfachschule BBB (BerufsBildungBaden) statt. Der neue „Technical Code 2015“ stiess auf ein sehr reges Interesse. Etwa 140 Teilnehmende, darunter 17 Medienvertreter, waren angemeldet und kamen auch. Da der Winter eine Pause machte und einen Frühlingstag einschob, reisten viele mit dem Oldtimer an. Normalerweise lernen die Inspektoren an Oldtimern, die extra nach Baden transportiert werden, auf was sie achten müssen, um einen korrekten Antrag für eine FIVA Identity Card zu erstellen. Dieses Jahr legte Felix Aschwanden, FSVA Vorstand, Leiter Technik und Vizepräsident der FIVA Technical Commission, den Fokus jedoch voll auf den „Technical Code 2015“.
In einer zweiteiligen Präsentation führte er die ZuhörerInnen in den „FIVA Technical Code 2015“ ein. Parallel lief das Ganze, geleitet von Gilles van Mesdag, Sekretär der FSVA Technikkommisson in einem anderen Raum auf Französisch.
Relevant für Oldtimer BesitzerInnen:
Der Technical Code 2010 bleibt bis auf Weiteres gültig. Die Definition eines historischen Fahrzeugs ebenfalls.
Die neue FIVA Identity Card wird auch eine eindeutige FIVA Registriernummer enthalten. Damit soll erreicht werden, dass mehrere Oldtimer mit der gleichen Identifikation eindeutig erfasst werden können. Viel mehr Wert wird auf die Geschichte eines Oldtimers gelegt. Neben Besitzerwechseln sollten Restaurierungen, Reparaturen, Modifikationen und auch besuchte Anlässe dokumentiert und bei der FIVA abgelegt werden. „Es gibt zu Oldtimern Geschichten und Märchen,“ meinte zB. Felix Aschwanden und zeigte ein Bild eines Trams, auf dem in grossen Lettern stand: „Ich bin auch ein Schiff.“ Alle lachten und so kam diese Botschaft sehr gut rüber. Alle wussten, was gemeint ist.
Modifikationen sind alle Abweichungen von dem Zustand, in dem das Fahrzeug vom Hersteller / Erbauer ausgeliefert wurde. Folgende Kategorien werden unterschieden: „Modifikationen in Period“, normal 15 Jahre, zB. während besonderen geschichtlichen Ereignissen sind auch längere Zeitperioden möglich, zB. 2ter Weltkrieg. Diese Modifikationen müssen dokumentiert sein. „Modifikationen Period Type“, spätere Änderungen, aber im Stil der Zeit, zB. ein Spoiler. „Modifikation Non-Period Type“, z.B., eine Servolenkung.
„Wesentliche Modifikationen“ werden in zwei Untergruppen eingeteilt:
a) Chassis, Rahmen oder die selbsttragende Karosserie in erheblichem Masse modifiziert
zB. verkürzt, verschmälert, Radstand geändert, verstärkt etc. wird das Baujahr auf den Zeitpunkt geändert, an dem das Fahrzeug fertiggestellt wurde. Die umbauende Person oder juristische Einheit wird als Hersteller, Erbauer herangezogen.
b) Chassis, Rahmen oder die selbsttragende Karosserie nicht in erheblichem Masse modifiziert
aber drei oder mehr der folgenden Komponenten geändert wurden: Motor, Getriebe, Vorderradaufhängung, Achse, Lenkung; Hinterradaufhängung, Achse; Karosserie gilt das Fahrzeug als neu. Klassierung durch die FIVA wie im Abschnitt oben. Das heisst andersrum: max. zwei Änderungen in den aufgeführten Kategorien sind erlaubt. Was die FIVA nicht unterstützt: Individuelle Kreationen (nicht historisch); Aufbau von Street Rods, Customs oder Specials mit alten Teilen und nach alten Herstellmethoden; Tribute Cars; Umbauten von normalen Standard-Modellen in bekannte oder seltene (Renn-) Fahrzeuge; Modernisierungen von historischen Fahrzeugen; Scheiben- statt Trommelbremsen, neue Motoren und moderne Antriebsstränge etc. Replicas mit falschem Baujahr, neu gebaute «Bugatti», Plastic-Cobras etc.
Auch im neuen Code werden die Baujahr-Klassen für Veranstaltungen wie bisher beibehalten: Klasse A: Baujahre bis 31.12.1904; Klasse B: Baujahre von 01.01.1905 bis 31.12.1918; Klasse C: Baujahre von 01.01.1919 bis 31.12.1930; Klasse D: Baujahre von 01.01.1931 bis 31.12.1945; Klasse E: Baujahre von 01.01.1946 bis 31.12.1970; Klasse F: Baujahre von 01.01.1971 bis FIVA Altersgrenze.
Die übrigen zwei weiteren Präsentationen umfassten dann Inspektoren spezifische Themen: Abläufe, Dokumentation und Administratives.
Ein einziger Dachverband, Fahrzeugrestaurator und das FIVA Worldrallye 2015 in der Schweiz
Die Teilnehmenden waren von René Berset, Vizepräsident FSVA, begrüsst worden. Seine Information: „Fusionsgespräche zwischen der FSVA und SwissOldtimers sind im Gange,“ wurde sehr gut aufgenommen.
Vor dem Hauptteil stiess auch die Präsentation der IgFS, Verband IG Fahrzeugrestauratoren Schweiz, auf ein reges Interesse. 2009 entstand aus der FSVA heraus die Idee, in der Schweiz einen Fachverband und Inhalte für ein neues Berufsbild «Fahrzeugrestauratorin / Fahrzeugrestaurator» zu schaffen. Diesem ambitiösen Ziel ist die IgFS einen grossen Schritt näher gekommen. Die wichtigsten Verbände der Auotbranche: AGVS, Auto Gewerbe Verband Schweiz und der VSCI, Schweizerischer Carrossierverband, sind an Bord. Christian Ackermann, Präsident der IgFS, Rudolf Siegrist, Koordination Schulbildung und unser Gastgeber, sowie Beat Schmid, Leiter und Koordinator der „Arbeitsgruppe IG- Fahrzeugrestaurator“ standen gemeinsam mit Vertretern des AGVS, Diana Schlup und dem VSCI, Olivier Maeder auf der Bühne. Ein Gönnerverein, der die beträchtlichen Initialkosten abdeckt, ist auch operativ. Mit ersten Kursen wird in Kürze gestartet.
Nach 25 Jahren, vom Samstag 27. Juni bis Samstag 4. Juli 2015, findet in der Schweiz wieder mal die FIVA Worldrallye statt. Nach dem Mittagessen präsentierte Ruedi Wenger, Vizepräsident des Organisationskomitees, diesen Anlass, der die Schweiz in der FIVA Welt von ihrer besten Seite zeigen soll. Um 14:30 wurden die Teilnehmenden um viele Eindrücke reicher ins Wochenende entlassen.

