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Beim Oldtimer: Russisch-Amerikanische Zweckverbindung

Das Embargo gegen Kuba stammt noch aus der Kennedy-Ära als Folge der Machtübernahme durch Fidel Castro. Inzwischen ist es über 50 Jahre alt. Für Kuba haben sich daraus kuriose Verhältnisse entwickelt, für Auto-Fans ein spannendes Straßenbild.

Fotos: Walter Reiche

Und Oldtimer-Schrauber staunen nicht schlecht, wie sich die findigen Kubaner trotz nachhaltigem Ersatzteilemangel zu helfen wissen – über und unter der Motorhaube.
Bis heute dürfen auf Grund der gestörten Beziehungen selbst US-Bürger nicht aus rein touristischen Gründen nach Kuba reisen. Nur wer Verwandte dort hat oder an einem offiziellen Kultur-Austauschprogramm teilnimmt bekommt den US-staatlichen Segen. US-Motor-Journalisten erhalten ein Visa, wenn sie eine Einladung zum kulturellen Austausch zum Beispiel vom Museumsdirektor des Déposito del Automóvil in Havana, des Kubanischen historischen Automuseums vorzeigen können. „Zündkerzen-Diplomatie“ nennt es Tom Cotter, der für die New York Times schreibt.
Das Straßenbild Kubas entwickelte sich seit dem Embargo auf ganz eigentümliche Art und Weise. Neben klapprigen Fahrzeugen vom kommunistischen Markt, tummeln sich die heutigen Klassiker aus den 1950er Jahren. Man schätzt, dass sich etwa 60.000 Fahrzeuge aus jener Zeit gehalten haben. Für die Mobilität gilt das Motto: Was nicht passt wird passend gemacht. Ein Mercedes Ponton sitzt auf dem Fahrwerk eines Chevrolets, ein Ford aus den 50er Jahren wackelt auf der Basis eines Ladas über die holprigen Straßen. Ein VW Käfer hat sich in einer wundersamen Hochzeit mit einem amerikanischen Unterbau vereint. Der Blick unter die Motorhaube verrät noch viel mehr. Außen historisch, innen modern und auf Grund des notorischen Spritmangels, möglichst mit Dieselmotor ausgestattet.
Hier zählt nicht, was zusammen gehört. Hier geht es ums reine Fahren. Egal wie. Seit dem Embargo wurden keine neuen Ersatzteile mehr für die vielen amerikanischen Fahrzeuge, die seinerzeit die Straßen füllten, angeliefert. Die Kubaner helfen sich selbst – jeder mit mehr oder weniger Talent. Sie arbeiten mit selbst gebasteltem Werkzeug aus Küchengeräten oder anderen Haushaltsutensilien, formen aus Teilen ehemaliger Sowjet-Autos neue Kotflügel und leisten wirklich Erstaunliches.
Nur einmal, Ende der 80er Jahre wurde es richtig eng für Oldtimer auf Kuba. Die Regierung begann die betagten Fahrzeuge ins Ausland zu verkaufen. Als Gegenleistung bot man den Besitzern etwas Bargeld oder gar einen neuen Lada. Nicht alle haben zugegriffen und so blieben selbst nach dem Zusammenbruch der UDSSR, als die Lada-Lieferungen ins Stocken gerieten, genügend überlebende Oldtimer, die heute beispielsweise als Taxis unterwegs sind. Da sie meist in einem besseren Zustand sind und somit ein begehrtes Fotomotiv, springen die pfiffigen Kubaner – die sich nicht in Sachen Schrauben und Restaurieren, sondern auch in Bezug auf Verdienst weiter gebildet haben – heute schnell auf, wenn Touristen fotografieren. Die Fahrer verlangen meist nachdrücklich einen Obolus für das Ablichten ihrer Karosse – denn auch auf Kuba gibt es nichts umsonst.

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In Havanna, in der Calle Oficios No. 12 Calleón de Jústiz, steht das Neoklassisches Gebäude, das einst als Lagerhaus gebaut worden war und heute das Automobilmuseum beherbergt. Wer sich von den beiden Maschinengewehr bestückten Wachposten nicht irritieren lässt, kann gleich beim Eingang ein Symbol des Kapitalismus bewundern: einen 1926 Rolls-Royce Phantom I mit einer Karosserie von Letourneur & Marchand aus Frankreich. Den Oldsmobile 1959, den Che Guevara Mitkämpfer Camilo Cienfuegos einst fuhr, gibt’s auch zu sehen. Alle Fahrzeuge im Originalzustand und nicht restauriert oder umgebaut – weil nicht in Betrieb … Und Che Guervaras Chevrolet Impala – der von vielen als wichtigster Oldtimer von ganz Kuba angesehen wird – steht in einer anderen verschlossenen Lagerhalle und wartet auf den Tag X, an dem er auch dem Publikum präsentiert wird.