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Portrait – Paul Pietsch Veritas Rennwagen

Rekordfahrten gehörten in den frühen Jahren der Automobilgeschichte zum Programm aller Automobilhersteller. Sie sollten Kunden von der Leistung der Marke überzeugen. Um solche Rekorde zu erreichen, griff man bereits in den 1920er und 1930er Jahren auf stromlinienförmige Karosserien zurück. Die berühmtesten Fahrzeuge mit solchen „fließenden“ Karosserien kennt man vor allem von Mercedes Benz, BMW oder Auto Union, die sich in diesen Zeiten einen harten Wettkampf lieferten.

 

Veritas_Avus_Stromlinie_7

 

 

Ernst Loof war vor dem 2. Weltkrieg als Rennleiter und Motorenspezialist bei BMW beschäftigt und er war maßgeblich an der Entwicklung der damaligen Rennfahrzeuge beteiligt. Nach dem Krieg kam das Interesse am Motorsport erst 1946 auf. Loof kaufte viele Restbestände der BMW 328 Fahrzeuge zusammen. Er hatte ein Ziel: Er wollte wieder im Rennsport arbeiten. Dazu gründete er mit Kaufmann Lorenz Dietrich, Rennfahrer Georg Meier und Werner Miethe die Firma Veritas Arbeitsgemeinschaft für Sport- & Rennwagenbau. Ab 1947 baute Loof unter dem Namen Veritas die ersten Rennfahrzeuge. Alle auf der Basis des BMW 328.

Ein äußerst erfolgreicher Rennfahrer auf Veritas Formel 2 Rennwagen war Paul Pietsch, der spätere Zeitschriften-Verleger. 1950 gewann Pietsch mit einem 1,5 Liter Veritas die Deutsche Meisterschaft. 1951 errang Paul Pietsch mit einem Veritas Meteor die Rennwagenmeisterschaft.

Um auch das letzte Rennen 1952 auf der Avus für sich zu entscheiden, ließ sich Pietsch eine Stromlinienkarosserie für den Veritas Meteor bauen. Diese sollte sich einfach über das Veritas Meteor Chassis setzen lassen. Gebaut wurde die niedrige Aluminium-Karosserie bei Spohn und kostete stolze 30.000 Mark. Die Karosserie erinnert stark an die Avus Rekord Stromlinien aus den 1930er Jahren. Das Heck zieht sich tropfenförmig zusammen und die gesamte Karosserie ist extrem windschnittig optimiert. Ausgestattet mit einem 1988 ccm Reihen-Sechs-Zylindermotor mit 140 PS und einem Leergewicht von 560 kg erreichte das Rennfahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 km/h.

Paul Pietschs erste Trainingsrunden auf der Avus liefen verheißungsvoll. Doch auf der letzten Runde des Trainings blockierte die Stromlinie durch einen zu hohen Anpressdruck an der höchsten Stelle der Steilkurve – überschlug sich und stürzte von der Steilwand. Paul Pietsch kam mit mehreren Verletzungen ins Krankenhaus. Die Karosserie des Vollstromlinien-Coupés war schwer zerstört.

 

Diesen und noch weitere seltene Veritas Rennfahrzeuge sehen Sie während der kommenden Retro Classics 17. – 20. März 2016.

www.retro-classics.de

 

Text und Fotos: Kay MacKenneth