Es war noch knackig kalt und Dunkelheit lag über dem feuchten London, als sich am 6. November unerschrockene Fahrer, ihre Passagiere und fast 400 Oldtimer trafen. Am Hydepark versammelten sich alle, die den jährlichen London to Brighton Run miterleben wollten.

Es sind 120 Jahre vergangen seit dem ursprünglichen Emanzipation Run. Und bis heute soll an die Befreiung erinnert werden, die Motoristen empfanden, als sie endlich schneller als 4 Meilen/Stunde – nämlich 14 Meilen/Stunde – Höchstgeschwindigkeit fahren durften und das alles ohne den warnenden Vorläufer, der mit der roten Flagge zu Fuß einem Fahrzeug voranschreiten musste…
Die diesjährige Veranstaltung war auch eine Ehrung für den deutschen Ingenieur Karl Benz und seinen 130 Jahre alten Patent-Motorwagen. Das mit Benzin betriebene Dreirad gilt als das erste Automobil der Welt. Aus dem Museum des Herstellers wurden eigens einige Fahrzeuge angeliefert. Einen 1901 Benz Spider fuhr Ex-Formel 1 Team Eigner Eddie Jordan. Als London to Brighton-Neuling fiel es Jordan zu Beginn natürlich schwer, sich dem entschleunigten Tempo der Uralt-Oldtimer anzupassen. Doch es gelang. „Was für eine fabelhafte Erfahrung, es übertraf all meine Erwartungen,“, schwärmte er. „Dies ist den besten Tag, den ich je neben der Formel 1 hatte. Sie können es nicht beschreiben. Jeder sollte die Mühe machen, zu kommen und den Lauf zu sehen, oder versuchen selbst teilnehmen, wenn sie können. Es ist bemerkenswert, wie gut Mercedes diese Autos gebaut gebaut. Sie waren großartige Ingenieure in ihrer Zeit und die Vorläufer dessen, was wir heute im Grand Prix sehen. In der Tat war das einzige, was fehlt eine Heizung… ”
In respektvoller Distanz hinter den frühen Startern waren die BBC Radio 2 DJs Ken Bruce und Chris Evans sowie BBC One Show host Alex Jones i einem Oldtimer-Bus voller Passagiere dabei. Sie alle hatten gemeinsam mehr als 180.000 £ für BBC Kinder in Not Stiftung aufgebracht.
Nachdem zeremoniellen Zerreißen der roten Flagge brachen die Autos auf, vorbei am Buckingham Palace, vorbei an Big Ben und Westminster Brücke. Der Beginn einer abenteuerlichen Reise an die Küste.
Auf der 60-Meilen Strecke badeten die Teilnehmer in herbstlichem Sonnenschein. Die Straßen waren gesäumt von Tausenden begeisterten Zuschauern.
Von Crawley High Street startete Teil zwei der Reise. Ein beliebter Zuschauer-Punkt war der Flughafen Gatwick, wo die Oldtimer als fotografische Highlights warm begrüßt wurden. Eine Zeitprüfung im Gleichmäßigkeitsfahren erledigten die Teilnehmer in der High Street vor Chopard.
Während die Fahrt nach Brighton bekanntlich kein Rennen ist, ist das Zeitfahren ein Wettbewerbselement. Mehr als 180 Teilnehmer, mehr als je zuvor, hatten sich beworben um diesen Test zu absolvieren. Jetzt mussten sie versuchen eiine strenge Durchschnittsgeschwindigkeit für die Strecke zwischen Crawley und Burgess Hill zu halten. Der Sieger war Wolfgang Presinger mit einem 1904 Covert, der die 13 Meilen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 8,05 Stundenmeilen (Vorgabe 8mph) ins Ziel rollte.
Insgesamt 351 der 392 Starter schafften es bis Brighton vor der 16.30 Uhr Deadline und erlangten so die begehrte Finisher Medaille. Schon kurz nach zehn Uhr war der 1903 Racing Mercedes von Chris Scott aus Jersey im sonnigen Badeort angekommen. Passend für ein Jahr, in dem das deutsche Automobil geehrt werden soll. Mit seinem mächtigen 9,2-Liter-Motor unter der Motorhaube war das für viele keine Überraschung.
Der ehemalige Präsident des Automobilclubs Peter Read, Vorsitzender des Motorenausschusses, sagte: „Wieder einmal war dieses bemerkenswerte Ereignis – die weltweit größte Versammlung der Oldtimer und der größte freie Motorsport-Event der Welt – ein voller Erfolg.“


















