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Scheunenfund – Die Geschichte hinter der traumhaften Oldtimer Auktion

Wie sehr eine erfolgreiche Familie traumatisiert sein kann durch ihren sozialen Abstieg, zeigt die Geschichte des jüngsten „Scheunenfundes“ von 60 Oldtimern, die während der kommenden Retromobile am 6. Februar von Artcurial in Paris zur Auktion kommt.


Sehen Sie hier das Video über den Oldtimer Fund in Frankreich.

Die Sammlung, die als Sensationsfund bezeichnet wird, soll insgesamt 16 Millionen Euro einbringen. Roland Baillon war im Westen Frankeichs das Synonym für erfolgreiche Transport-Logistik. Baillon hatte in den ersten Nachkriegsjahren von der deutschen Armee zurück gelassene LKWs auseinandergenommen und aus den Chassis und den Motor Nutzfahrzeugen gebaut, die er örtlichen Unternehmern verkaufte. Das Geschäft florierte und der Autonarr Baillon präsentierte auf dem Automobilsalon in Paris 1947 seinen eigenen Entwurf einen Roadsters genannt „L’oiseau bleu“ (Blauer Vogel). Bis in die 60er Jahren wuchs das Unternehmen auf stolze 200 Mitarbeiter. Baillon hatte als Spezialität den Umbau des Lastwagenmodels Micheline zum Schwertransporter im Programm. Baillon war ein geschickter Geschäftsmann und galt als ein Experte für den Transport von flüssigen Chemikalien. Seine Lastwagen waren auf den Straßen bis nach Portugal unterwegs.
Im Herzen hatte der Unternehmer allerdings einen großen Traum: Er wollte sein eigenes Automobilmuseum errichten. Dafür sammelte er schon in den 1950er Jahren besondere Autos und kaufte sich eigens ein Anwesen auf dem das Museum errichtet werden sollte. Historiker nennen nun Roger Baillon in einem Zug mit den Gebrüdern Schlumpf, die ebenfalls um diese Zeit eine ansehnliche Kollektion an Automobilen zusammen getragen –zu einer Zeit hatten, in der sie dafür als Sonderlinge galten. „Damals rettete Baillon viele Autos vor dem Schrottplatz“, weiß Pierre Novikoff, Automobilexperte bei Artcurial.
Der Erfolg blieb Roger Baillon treu bis in die Mitte der 70er Jahre. Der großvolumige Transportvertrag mit den Chemiewerken in Melle wurde aufgelöst, Schulden häuften sich an, die Fahrer konnten nicht mehr bezahlt werden. Ein großer Streik der Arbeiter brachte schließlich das Reich des Monsieur Baillon zu Fall. Am 18. Januar 1978 wurde Konkurs erklärt und das, was greifbar war in bares Geld umgesetzt, um offene Rechnungen zu begleichen.

 

 

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„Die Sammlung war mehr als 200 Fahrzeuge groß“, schildert ein Zeitzeuge das Ausmaß der Baillon-Kollektion. Während die Gläubiger und die Öffentlichkeit glaubten, die komplette Sammlung würde zum Verkauf angeboten am 23./24. Juni 1979, war das in Wirklichkeit nicht so. Vater Roger und Sohn Jaques Baillon muss der Schock der Wirklichkeit so aus den Träumen vom eigenen Museum gerissen haben, dass schnell noch ein paar Fahrzeuge fort gebracht wurden. Auch da hatten sie eine Gemeinsamkeit mit den Gebrüdern Schlumpf. Im geheimen Versteck wollte man abwarten, bis der Sturm vorüber war. Der Standort war Familiengeheimnis und niemand durfte darüber sprechen.
Doch wo ist jener Ort, von dem nun tausende von Oldtimer-Enthusiasten träumen? Darüber war wenig zu lesen. Wer genau recherchiert kommt am Ende in die Region Niortaise und entdeckt auf einigen Bildern das Chateau Gaillard im Dörfchen Echiré. Ein Ausflug auf Google Earth zeigt wenige hundert Meter entfernt von dem kleinen Schloß, das immer wieder auch Ausflugsziel für Oldtimerausfahrten war, eine ganze Menge Wellblech.

Nach dem Tod von Vater Roger Baillon nach der Jahrtausenwende blieb das Geheimnis gewahrt bis der Sohn Jaques nun 2013 verstarb. Die Erben dürften dafür gesorgt haben, dass diese wunderbaren Fahrzeuge bei Artcurial zur Auktion kommen. Ein Talbot Lago T26 Baujahr 1948 (einst gebaut für den früheren ägyptischen König Faruk) , herrliche Sonderkarosserien von Chapron bis Saoutchik, Bugattis, Maseratis und Hispano-Suizas, und als „Star“einer von nur 37 gebauten Ferrari 250 GT SWB California Spider Baujahr 1961, der einmal Schauspieler Alain Delon gehört haben soll und mit 9,5 bis zwölf Millionen Euro eingeschätzt wird.